Weiterhin ungeschlagen - ein 2:2 in einem Derby mit Höhen und Tiefen

Unbenannt.png-SV Tondach Gleinstätten

Regen, tiefer Boden, ein katastrophaler Auftakt und die Aufholjagd


Derbys sind einfach nichts für schlechte Nerven. Heute war es wieder einmal soweit und jeder, der unsere Mannschaft vor diesem Derby als Favoriten bezeichnete, mischte seiner Aussage dabei je nach Zugehörigkeit zu einem Fanlager entweder eine Prise Zweckoptimismus oder eine kleine Portion understatement bei.

Denn ein Derby, das hat einfach keinen Favoriten, was heute eindrucksvoll bestätigt wurde.

Großklein erwischt unsere Mannschaft an diesem verregneten Nachmittag bei schwierigen aber noch regulären Bedingungen am falschen Fuß und geht nach zwei schweren Stellungs- bzw. Abwehrfehlern durch einen Kopfball sowie einen Distanzschuss von Darijo Biscan mit 2:0 in Führung.

So kennt man unsere Mannschaft eigentlich nicht, doch heute läuft hier in diesen ersten Minuten in Großklein einfach gar nichts zusammen. Man steht viel zu weit weg vom Mann, geht zu verhalten in die Zweikämpfe, verliert zu viele und vor allem viel zu leichtfertig Bälle und scheint in diesen ersten Minuten all das vergessen zu haben, was unsere Mannschaft so auszeichnet.

Falsche Laufwege, schreckliche Fehlpässe, vor allem aber wirklich schwere Deckungs- bzw. Stellungsfehler ermöglichen es damit den Gastgebern, viel zu einfach hier in Führung zu gehen: Ein verlorener Zweikampf auf unserer linken Abwehrseite, eine Flanke über gleich drei Verteidiger hinweg und ein Darijo Biscan, der sich beim Kopfball aus etwa 7 m die Ecke aussuchen kann und diese Großchance natürlich verwertet. 1:0 nach nur 6 Minuten und damit genau der Auftakt, den wir uns nicht erhofft haben.

Doch es sollte heute noch schlimmer kommen. Unsere Mannschaft kommt nun zwar besser ins Spiel und findet auch eine 100%ige Ausgleichschance vor, da Goalgetter Matej Vracko eine Maßflanke von Rok Kogoj 5 m vor dem Tor der Gäste jedoch verfehlt, kommt es, wie es im Fußball eben leider oft so kommt. Ein leichtfertiger Ballverlust im Spielaufbau auf der rechten Abwehrseite, ein schneller Pass und ein Darijo Biscan, der in der 13. Minute gleich zwei Verteidiger des SVG mit einem Haken viel zu einfach stehen lässt und aus etwa 18 m zum 2:0 trifft.

Ja, so schnell kann es im Fußball gehen. Und doch. Irgendwie geht spätestens mit diesem zweiten Gegentor ein Ruck durch unsere Mannschaft, die nun plötzlich kollektiv zu erkennen scheint, dass das bisher Gebotene nicht im entferntesten etwas mit den weit erfolgreicheren vergangenen fünf Partien zu tun hat und dass man schleunigst etwas ändern muss, um hier in Großklein auf regennassem und äußerst tiefem Terrain nicht wirklich baden zu gehen.

Und man ändert es. Wird ruhiger, besonnener, präziser im Spielaufbau. Geht besser in die Zweikämpfe. Agiert nun statt zu reagieren und nimmt nun endlich das Heft hier in die Hand.

Und so fällt er auch, der Anschlusstreffer. Denn während es Matej Vracko in der 20. Minute noch verabsäumt, an diesem Nachmittag hier in Großklein anzuschreiben und sich vom bereits überspielten Torhüter noch abdrängen lässt, macht er es nur wenige Minuten später wesentlich besser: Ein schneller Antritt über die rechte Seite, ein in dieser Situation aus Sicht der Heimmannschaft sicher dummes Foul und ein Pfiff. Logische Folge: Elfmeter!

Bernd Hold übernimmt erneut die Verantwortung, lässt sich nicht irritieren oder von der leicht aufgeheizten Derbystimmung anstecken und vollendet cool und unhaltbar zum 2:1 in der 30. Minute!

Ob es bei einem emotionsgeladenen Derby zielführend ist, dass ein Bundesliga erprobter Schiedsrichter wie Hr. Kollegger jede Kritik an seiner äußerst dubiosen Regelauslegung eines Vorteils und an seinen heute äußerst einseitigen Entscheidungen (wo fast jedes Foul eines SVG Akteurs mit Gelb geahndet wird, während genau das gleiche Vergehen auf der Gegenseite im besten Fall eine mündliche Verwarnung nach sich zieht) mit Gelb bestraft, sei dahin gestellt. Notwendig wäre es auf jeden Fall nicht gewesen.

Doch jetzt hat man hier Blut geleckt, jetzt weiß man, dass da noch was geht. Und wie! Da ein schöner Schuss von Philipp Krainer das Gehäuse jedoch verfehlt und sich FCG Torhüter Patrick Palz bei einer Doppelchance des SVG (Matej Vracko und Sandro Mally scheitern) auszeichnen kann, geht es mit diesem Stand auch in die Kabinen.

Wo Trainer Jochen Zadravec seine Truppe noch einmal darauf einschwört, dieses Spiel noch drehen zu können. Was auch gelingt. Unsere Mannschaft übernimmt nach einer kleinen Schrecksekunde bei einer kleinen Unsicherheit eines ansonsten heute fehlerlosen Christoph Hüttl in der zweiten Halbzeit endgültig die Kontrolle über dieses Spiel und lässt nun Ball und Gegner laufen.

Großklein zieht sich jetzt weit, fast zu weit zurück und wartet auf Konterchancen, die ein völlig anders auftretender SVG nun allerdings fast vollständig unterbindet, sodass die einzig nennenswerte Chance der Heimmannschaft ein Kopfball von - ja, richtig geraten - Darijo Biscan knapp vor Spielende bleibt, der fast zum lucky punch geworden wäre.

Jetzt zeigt man hier in Großklein trotz ungewohnter Schwächen im Spiel über die Seiten schönen Kombinationsfußball, für den Ausgleichstreffer allerdings muss ein Kraftakt unserer Nr. 11, Christian Traussnigg, herhalten, der sich den Ball unwiderstehlich mitnimmt und hart bedrängt zum viel umjubelten 2:2 in der 57. Minute einschießt.

Man will jetzt mehr, probiert alles, heute läuft es offensiv jedoch analog zur Defensivleistung zu Spielbeginn nicht so, wie man sich das von unserer Mannschaft erwarten darf. Ein Schritt zu kurz, zu überhastet, zu wenig abgebrüht oder knapp daneben. Alles dabei, nur drin ist er eben nicht, der Ball. Trotz weiterer 100%iger. Irgendwie passend zu diesem Nachmittag. Oder vielleicht auch einfach nur ein Derby.

Nach 93 Minuten ist es schließlich vorbei und beide Mannschaften verlassen unter dem Applaus des Publikums den sichtlich ramponierten Rasen des Großkleiner Stadions. Ein 2:2 ist es geworden in einem hart umkämpften, kurzweiligen und rassigen Derby. 

Fazit: Unsere Mannschaft verschläft leider erneut die ersten Minuten einer Partie, erhält dafür heute aber anders als in den bisherigen Partien und bedingt durch die individuelle Klasse eines Darijo Biscan sowie durch kollektiv schlechtes Zweikampfverhalten die Höchststrafe in Form von zwei Gegentoren. Positiv anzumerken an diesem Nachmittag ist hingegen die Moral unserer Mannschaft und der Wille, dieses Spiel noch zu drehen.

Da man heute aber gerade dort, wo man sonst so stark ist, große Schwächen offenbart und in diesem Derby sowohl offensiv als auch defensiv viel Luft nach oben lässt, bleibt es trotz einer starken Schlussoffensive mit einigen leider fast schon fahrlässig vergebenen Chancen bei einem in Summe wohl leistungsgerechten 2:2. Ob man dieses Ergebnis angesichts des Spielverlaufs als einen gewonnenen oder zwei verlorene Punkte sieht, bleibt dabei dem Leser bzw. Zuschauer überlassen.

Und doch: Da am Platz, da stehen Menschen. Keine Maschinen, sondern Menschen, die einfach einmal nicht ihren besten Tag erwischen können. Heute war so einer. Umso erfreulicher, dass man sich heute nicht aufgegeben hat, trotz katastrophalen Auftakts hier noch einen Punkt mitnimmt und somit den Erfolgslauf prolongiert. Viel kann man auf jeden Fall nicht falsch gemacht haben, wenn man auch nach 6 Runden noch immer von der Tabellenspitze lacht. Solche Spiele wie heute gehören auf jeden Fall zum Fußball wie das Runde ins Eckige!


Das passt schon Burschen, weiter so!


Autor: Günther Zwetti